Eine hervorragende Venedig-Besucherin: Sophie von Hannover

Venetia. GWLB: Mappe XXII, B, 27

Diese im heutigen Besitz der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (Mappe XXII, B, 27) undatierte Vedute von Venedig und den Inseln der Lagune wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts hergestellt und in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, wahrscheinlich um 1680, vom Verleger und Buchhändler aus Brescia Stefano Mozzi Scolari (ca. 1613-1691) neu auf den Markt gebracht.  Rechts unten ist seine Adresse ‚Stefano Scolari F[orma] in Venetia a A. Zulian‘ sichtbar. Zwischen 1644 und 1687 leitete Scolari eine der erfolgreichsten venezianischer Chalkographien, auf das Zeichen ‚Alle tre Virtú‘, d.h. ‚Zu den drei Tugenden‘, in der Nähe der Kirche San Zulian, in der lebendigen Area zwischen Piazza San Marco und Ponte di Rialto, bekannt als Mercerie.

Venedig war eine traditionsgemäß kosmopolitische Stadt und ab der Frühen Neuzeit das beliebte Reiseziel von europäischen Fürsten und Aristokraten, die besonders in der Karnevalszeit von ihrer lebendigen Festkultur angezogen waren. Die ausländischen Besucher wollten Zeugnisse und Erinnerungen an ihren Aufenthalt in der Lagunenstadt in ihre Kunstsammlungen und Bibliotheken einbringen. Die venezianischen Drucker, Verleger, Künstler, Stecher, Musiker, populären Dichter und sogar Astrologen entwickelten daher eine Produktion, die diese Anforderung befriedigen konnte: gedruckte Opernlibretti, ausdrücklich gewidmet für prominente Zuschauer, Sammlungen von Lobgedichten und satirischen Texten in venezianischer Sprache, gemalte Portraits und Miniaturen, illuminierte Theaterfiguren der Commedia dell´Arte. Und selbstverständlich Stadtansichten und Karten.

Die marktbeherrschende Werkstatt von Scolari produzierte Veduten von Venedig und der Lagune in allen Sorten und für alle Geschmäcker. Sie konnten auch handkoloriert sein oder versehen mit Windrosen, reich dekorierten Titelkartuschen, Wappen, Randansichten von bestimmten Sehenswürdigkeiten, nummerierten Indices oder Legenden der wichtigsten Orte, Aufzügen der Dogen und anderen Autoritäten der Stadt, kurzen Texten über die Geschichte der Serenissima. Allerdings, für diese umfangreiche Produktion verwendete Scolari hauptsächlich Kupferplatten, die in den vorangegangenen Jahrzehnten von berühmten, in Venedig aktiven Stechern – wie z. B. Mark Sadeler, Alessandro Badoer, Donato Bertelli und Giacomo Franco – hergestellt wurden und die er erworben hatte. Diese in der GWLB aufbewahrte Venedig-Karte ist keine Ausnahme: Scolari benutzte höchstwahrscheinlich eine anonyme Kopie der einflussreichen Karte, die Giacomo Franco im Jahre 1597 zuerst geschaffen hatte, und die im Laufe der Jahre wesentlich überarbeitet und aktualisiert wurde. Scolaris Karte unterscheidet sich von der ursprünglichen Venetia (in ihren drei bekannten Zuständen) durch den unteren Abschnitt, der eine sechsspaltige Legende von Kanälen, Palästen, Kirchen und Brücken und, in der Mitte, zwei kleine Stiche enthält. Die Stiche stellen jetzt zwei Orte dar, die – damals wie heute – von Besuchern als die Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt angesehen wurden, ‚La Piazza di S. Marco‘ und ‚Il Novo Ponte di Rialto‘. Diese Neuheit wurde erstmals in der Karte dargestellt, die Bernardo Salvioni gegen Ende des 16. Jahrhunderts für den Verleger Donato Rascicotti angefertigte hatte.

Detail: Venetia. GWLB: Mappe XXII, B, 27

Darüber hinaus: Während die Legende der ursprünglichen Karte von Franco die Namen von 170 Orten listet, wurden in dieser Venedig-Vedute drei neue Bezeichnungen hinzugefügt, die auf drei Gebäude verweisen, die zur Zeit Francos und seines anonymen Nachahmers noch nicht gebaut waren: ‚La Salute‘ (Nr. 171), ‚Corpus Domini‘ (Nr. 172; vielleicht in Bezug auf die nach 1597 gebauten Scuola dei Nobili, den Sitz der Corpus Domini Bruderschaft, neben der schon existierenden Kirche Corpus Domini in Cannaregio) und schließlich die Kirche Santa Lucia (Nr. 173).

Der Qualitätsdruck zeigt, dass die Platte stark abgenutzt wurde: Sowohl die Inschriften als auch die Legende sind verblasst, und nur die oben erwähnten, hinzugefügten Gebäudekennzeichnungen sind scharf gedruckt.

Details: Venetia. GWLB: Mappe XXII, B, 27

Wir wissen nicht genau, wann diese schöne Venedig-Vedute in die Bibliothek in Hannover einging. Dennoch ist die Präsenz dieser Karte in der Kartensammlung der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek sehr evokativ und ruft unmittelbar die ab der Mitte des 17. Jahrhunderts regelmäßigen Aufenthalte der Welfenherzöge in Venedig in Erinnerung. Insbesondere gibt uns Scolaris Ansicht die Gelegenheit, eine hervorragende Besucherin der Stadt hier kurz vorzustellen: Sophie von der Pfalz (1630-1714), Tochter des Kurfürsten Friedrich V. und  Elisabeth Stuart und seit 1658 Gemahlin Ernst Augusts von Braunschweig-Lüneburg (1629-1698), des künftigen Kurfürsten von Hannover.

GWLB: Bild 1.4006

Sophies Aufenthalt in Venedig wurde die längste Etappe der langen Italienreise, die sie vom April 1664 bis zum März 1665 –  wenige Jahre vor der vermutlichen Herstellung dieser Vedute – antrat, in der Gesellschaft ihres Gemahls. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht der überraschend schnelle politische Aufstieg des Ehepaars abzusehen. Trotz seiner Viertplatzierung in der Anwartschaft auf die Herrschaft im Fürstentum im Dezember 1679, als sein Bruder Johann Friedrich plötzlich und ohne Söhne starb, wurde Ernst August der neue Herzog von Hannover. Im Jahre 1692 erreichte er den Rang des Neunten Kurfürsten des Deutschen Reiches und Sophie konnte sich daher des Titels der Kurfürstin rühmen.

Als Sophie jedoch im Mai 1664 nach Venedig ankam, war sie nur die Ehefrau des protestantischen Bischofs von Osnabrück Ernst August, der dieses kleines Fürstenbistum 1662 erhalten hatte. Das Ehepaar residierte in der mittelalterlichen Bischofsresidenz in Iburg, und am Hofe des „petit Evecque“ – so bezeichnet sie Ernst August in einem Brief vom Juni 1663 an ihren Bruder Karl Ludwig (Briefwechsel mit ihrem Bruder, dem Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz, S. 58) – führte Sophie ein einsames Leben. Sie konnte keine intellektuelle Konversation genießen und war hauptsächlich mit Lesen, Briefeschreiben, Strickereien und anderen Handarbeiten in ihren Räumen beschäftigt. Daher sollte die neugierige und kulturinteressierte Sophie den Vorschlag zu einer Italienreise mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen haben, auch wenn die Galanterie Ernst Augusts ihr wohl bekannt war, besonders seine Zuneigung für jene Vergnügen, die Venedig den fürstlichen Gästen anbieten konnte. Eine Vorliebe des Mannes, die Sophie mit ihrer typischen Nüchternheit erlebte: Sie war sehr standesbewußt und die Regeln der Heirat und Ehe in ihrer gesellschaftlichen Schicht waren ihr klar.

Die erste Quelle für die Rekonstruktion von Sophies Reise sind ihre auf Französisch verfassten Memoiren, die sie – anscheinend nur, um sich selbst zu vergnügen und ihre Melancholie zu vertreiben – im Winter 1680-1681, als Ernst August wieder auf Italienfahrt war, anfertigte und die nur in der Abschrift von Gottfried Wilhelm Leibniz überliefert sind.  Die zweite Quelle ist der schon erwähnte Briefwechsel mit dem Bruder und Kurfürsten der Pfalz, Karl Ludwig. Die von Venedig gesandten Briefe sind besonders aufschlussreich: sie sind – wie Sophie selbst mehrmals betont – in stile recitativo geschrieben, denn „ich habe den Kopf so voll von Neuem, dass ich nicht anders kann“ (Briefwechsel mit ihrem Bruder, S. 69, uns. Übers.).

Die Reise nach Italien folgte der üblichen Route. Nach einer Etappe in Heidelberg kam Sophie mit ihrem großen Gefolge in Augsburg an. Dann in Inkognito – auch wenn, wie sie mit ihrer üblichen Ironie schrieb, man „nie ein solch offensichtliches Inkognito gesehen“ (Memoiren, S. 71) habe – erreichte sie Innsbruck, Trient, und die kleine Stadt Bronzolo, wo „ich zu meiner großen Freude Monsieur den Herzog“ traf, der von den venezianischen Adeligen Giovanni Morosini und Leonardo Loredan begleitet wurde. Die Reisegesellschaft – „alle meine Mädchen und Frauen fuhren in vier Karossen, die Männer von Stande ritten zu Pferd, die übrigen reisten auf gewöhnlichen Fuhrwerken“ (ibidem) – reiste weiter nach Verona und Vicenza. Dort sollte Sophie den fabelhaften Garten bewundern und zugeben, dass sich, was die Gartenkunst anlangt, „nichts mit Italien vergleichen kann“ (Briefwechsel mit ihrem Bruder, S. 67, uns. Übers.).

Am 7. Mai 1664 kam Sophie in Venedig an.

„Zu Wasser begab ich mich nach Venedig, wo ich erst sehr spät am Abend ankam. Monsieur der Herzog fragte mich, ob ich die Stadt schön fände. Ich wagte nicht, nein zu sagen, obgleich sie mich sehr melancholisch stimmte. Denn ich sah nur Wasser und hörte keine anderen Rufe als premi und stali, ausgestoßen von den Gondolieri auf ihren ganz schwarzen Gondeln, die wie schwimmende Särge aussahen“ (Memoiren, S. 73).

Umgeben vom Wasser der Lagune und von Melancholie erreichte Sophie schließlich den Palast, den die Welfenherzöge ab 1661 für ihre langen Aufenthalte in Venedig mieteten: den hoheitsvollen Palast Foscari am Canal Grande, bekannt  als Casa Grande dei Foscari in volta del Canal, heute Sitz der namensgebenden Universität von Venedig. Der Bau wurde 1453 vom Dogen Francesco Foscari begonnen und gehörte seiner Familie bis zum Untergang der Venezianischen Republik im Jahr 1797. Wegen seiner hervorragenden Lage – genau vor dem Palast, als eine prächtige architektonische Kulisse, befand sich die Ziellinie vieler Prunkregatten – wurde Ca´ Foscari über die Jahrhunderte und besonders während der Karnevalssaisons von ausländischen Aristokraten gemietet.

Sophies Memoiren und noch mehr ihre Briefe an den Bruder Karl Ludwig enthalten zahlreiche Hinweise auf die besichtigten Orte und es ist möglich, die Route ihrer Gondelfahrten auf Scolaris Venedig-Vedute zu verfolgen. Unsere Reisende besuchte unter anderem den Platz San Marco, die Dominikanerkirche SS. Giovanni e Paolo, dessen schöne Gemälde sie sehr schätzte, die Kirche und das Kloster der Benediktiner auf der Insel San Giorgio Maggiore, und den Senato im Dogenpalast.

Detail: Venetia. GWLB: Mappe XXII, B, 27

Und „am meisten gefiel mir aber der Korso [Canal Grande], wo man im Sommer die frische Luft genießen kann, ohne vom Staub belästigt zu werden“ (Memoiren, S. 73).

Detail: Venetia. GWLB: Mappe XXII, B, 27

Berichte über religiöse Festlichkeiten fehlen auch nicht, wie über die Prozession des Corpus Domini, bei der die Protestantin Sophie den Luxus der Apparate und die Menge des Silbers bewunderte. Übrigens hatte sie einige Wochen vorher einen sehr kleinen Konvent besucht und trotz alledem war alles „vergoldet und mit gesticktem Velours belegt“ (Mémoires et lettres de voyage, S. 190, uns. Übers.).

Noch mehr wurde Sophie am 22. Mai von dem wichtigsten und prächtigsten Fest der Serenissima verzaubert: der symbolischen Vermählung des Dogen mit dem Meer, eine spektakuläre, von dem goldenen Bucintoro geleitete Schiffprozession vom Dogenpalast bis zur Insel San Niccoló in der Lagune.

„Gestern waren wir auf der Hochzeit des Dogen mit dem Meer; ich fand dort nichts Schöneres als sein Schiff, das man die Santaura [Bucintoro] nennt, und das Durcheinander der Gondeln, das es gab, um dieses Fest einzusehen […] Der Prinz von Toscana [Francesco Maria de´ Medici] war auch Inkognito wie wir“ (Briefwechsel mit ihrem Bruder, S. 69, uns. Übers).

Der Name des Prinzen – und künftigen Kardinals – Francesco Maria de´ Medici kommt auch in Sophies Briefwechsel mit Karl Ludwig von der Pfalz vor. Aus diplomatischen Berichten erfahren wir, dass der Prinz „la signora principessa di Bransviche“ schon am 19. Mai traf: sie war an Bord einer galea den Canale della Giudecca entlanggefahren, mit Musikern und Trompeten (s. F. Mutinelli (Hg.), Storia arcana ed aneddotica d’Italia raccontata dai Veneti Ambasciatori, Bd. 3, S. 452, Venezia, P. Naratovich, 1858).

Detail: Venetia. GWLB: Mappe XXII, B, 27

Besonders ausführlich berichtete Sophie – in den Memoiren und ebenso in einem Brief an Karl Ludwig – über die Ringrennen der Insel Lido:

„Um es noch extravaganter zu treiben, nahmen wir mit unseren Kaleschen an einem Ringelstechen vor mehr als hunderttausend Menschen am Strand teil, bei dem wir in kostbarem Gold- und Silberbrokat gekleidet waren wie die Komödianten. Jede Dame hatte einen herumirrenden Kavalier an ihrer Seite, und unsere Wagen waren mit vergoldetem Kupfer beschlagen, welches man in Form von Kränzen anstelle von Skulpturen angebracht hatte, um Gewicht zu sparen“ (Memoiren, S. 73).

Dieser erste Aufenthalt in Venedig endete am 20. September 1664. „Nachdem ich nun alles gesehen hat, was es im Staat Venedig zu sehen gab, entschloss sich Monsieur der Herzog, mit mir nach Rom zu fahren, und zwar über Mailand“ (ibidem, S. 77). Sophie begrüßte diese Entscheidung sehr. Sie hatte den Ausflug von Mitte August nach Vicenza schon sehr genossen, denn trotz aller délices „ich bin so müde von Venedig, dass ich nicht mehr kann […] la terra ferma gefällt mir viel besser, als nur Wasser zu sehen“ (Briefwechsel mit ihrem Bruder, S. 74-75, uns. Übers), dem Venedig-Wunder gegenüber – einer Stadt im Wasser – scheint Sophie nun gleichgültig zu sein.

Sie hatte schon am 25. Juli an Karl Ludwig in diesem Sinne geschrieben, Worte die fast eine Anspielung an ihre künftigen und legendären Spaziergänge in ihrem geliebten Garten in Herrenhausen sind:

„Ich mache übrigens zu wenig Übungen, weil man in diesem Land nicht wandert; hier fährt man immer mit der Gondel und die Gärten sind klein und selten“ (Mémoires et lettres de voyage, S. 199, uns. Übers.).

Nach Mailand führte die Reise über Bologna, Loreto, Modena, Parma, Rom und Florenz. Auf dem Rückweg nach Deutschland gab es Ende Januar und Anfang Februar 1665 einen weiteren kurzen Aufenthalt in Venedig, um den Karneval zu genießen. Und diesmal konnte die maskierte Sophie endlich zu Fuß durch Venedig spazieren gehen.

„Mir gefiel der Karneval wegen der Opern und Masken, weil ich am Tage unerkannt zu Fuß durch die ganze Stadt spazieren gehen konnte und abends auf der Redoute spielen konnte.  Es war merklich kälter als in Deutschland, und ich ging deshalb stets als edle Venezianerin mit einem Pelzgewand“ (Memoiren, S. 88-89).

Anders als ihr Ehemann Ernst August würde Sophie Venedig nie mehr besuchen.

Wie alle Reisenden nahm auch Sophie einige souvenirs aus Venedig mit. Das 1714 verfasste Inventar ihrer Bibliothek – in dem die Titel von 1012 Büchern verzeichnet sind und das heute im Niedersächsischen Landesarchiv in Hannover (Dep. 103 Marienburg, Vorl. Nr. 13436) aufbewahrt ist – listet in der Abteilung der „Italiänischen Bücher“ einige Bücher auf, die direkt mit dem venezianischen Aufenthalt der Kurfürstin in Verbindung stehen. Aus Venedig kam z.B. ein kleines und schmuckvolles Buch, Il Cembalo d´Erato von Dario Varotari, eine Sammlung von Sonetten meist in venezianischer Sprache, die 1664 in der Lagunenstadt veröffentlicht wurde und der Altezza Serenissima di Giovan Federico Duca di Brunsuick-Luneburg auf dem Titelblatt gewidmet ist (GWLB: CIM 5/5033).

Varotari, Dario: Il cembalo d'Erato, centuria de' sonetti in lingua veneziana: Aggiontaui la traduzione in quarta rima delle due prime Satire di Giuuenale : Et vn senario di sonetti toscani / Ardio Rivarota [d.i. Dario Varotari]. - Venezia, 1664. GWLB: CIM 5/5033

Darüber hinaus erfahren wir aus ihrer Korrespondenz mit dem Bruder Karl Ludwig, dass sie im Juni 1664 die Horoskope für ihre Söhne Georg Ludwig (1660-1727), den künftige Georg I. von Großbritannien, und Friedrich August (1661-1690) in Venedig hatte anfertigen lassen:

„Ich habe das Horoskop meiner Söhne von einem Mann anfertigen lassen, dem man glaubt, darin sehr gelehrt zu sein: ich werde es Ihnen bei meiner Rückkehr zeigen“ (Briefwechsel mit ihrem Bruder, S. 70, uns. Übers.).

Genitura des Seren. Primogenito des Seren. Hernesto Duca die Bransuuich e Luneburgh. GWLB: Ms XXIII, 308
Genitura des Seren. Primogenito des Seren. Hernesto Duca die Bransuuich e Luneburgh. GWLB: Ms XXIII, 308

Der Titel „L’Horoscopio di Giorgii Luigi, Elettore“ ist unter den Italienischen Büchern eingetragen, und die betreffende Handschrift, die selbstverständlich mit starkem Familiensinn geprägt ist, ist in der GWLB aufbewahrt (Ms.XXIII.308). Die Identität des Autors ist noch unbekannt und ebenso unbekannt ist der Name des Verfassers einer anderen sehr interessanten und illustrierten Handschrift, dessen Titel lautet Libro primo Applausi della Cità di Venetia All’Altezze Ser:me di Ernesto e Federico Duchi di Bransuik (GWLB: Ms. XXVI.1576).  Es handelt sich um eine Sammlung von Lobgedichten in venezianischer Sprache, die von veschiedenen Figuren der venezianischen Gesellschaft fiktiv deklamiert werden, die im Inventar der Bibliothek unter dem kryptischen Titel „Manoscritto di Venezia“ versteckt ist.

Die Handschrift öffnet sich mit einem Bild der Casa Grande dei Foscari, der schon genannten venezianische Residenz der Welfenherzöge.

Libro primo Applausi della Cità di Venetia All’Altezze Ser:me di Ernesto e Federico Duchi di Bransuik. GWLB: Ms XXVI, 1576

Die Figuren folgen so aufeinander, wie sie auf der Bühne eines Theaters erschienen: der Doge, der Berater – der die „Musiche, Reghate, Machine, Giostre“, d.h. die von den Herzogen organisierten Musiken, Wasserspiele, Maschineneffekte, Bälle und Serenaden lobt –, der Censor, der Kavalier bis zu einem Kanoniker, der die Macht der Branusuik Duchi e Signori betont, die mit einem großen Hof, vielen Dienern und vor allem mit Gold beladen in Venedig angekommen sind.

Libro primo Applausi della Cità di Venetia All’Altezze Ser:me di Ernesto e Federico Duchi di Bransuik. GWLB: Ms XXVI, 1576

„Sono di Branusuik Duchi è Signori,
non so mi par che sian molto Potenti
hanno secco gran Corte, e gran Seruenti,
per quello intesi, sono Carchi d’ori“.

Der Kavalier erinnert an die Teilnahme der Duchessa zu den Ringrennen am Lido („ò visto à correr la Duchessa al Lido / da Kaualier che son restà stupido“), während der Benediktiner auf den Besuch der Kirche und Kloster von San Giorgio Maggiore hinweist. Andere Figuren nennen Jagden auf der Insel Burano, Gondelfahrten in Cannaregio, und Besuche im Ca´ Vendramin: dank einer Stadtvedute, schriftlichen Quellen, Büchern und Tempera-Bildern erscheint ein venezianischer Aufenthalt der fernen Jahre 1664/65 lebendiger als je zuvor.

Weiterführende Literatur

  • Sophie von Hannover, Briefwechsel der Herzogin von Hannover mit ihrem Bruder, dem Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz, und des Letzteren mit seiner Schwägerin, der Pfalzgräfin Anna. Hrsg. von Eduard Bodemann, Leipzig, Hirzel, 1885.

  • Jürgen Schulz, The Printed Plans and Panoramic Views of Venice (1486-1797), Firenze, Olschki, 1970.

  • Giocondo Cassini, Piante e vedute prospettiche di Venezia (1479-1855), Venezia, Stamperia di Venezia, 1982.

  • Sophie von Hannover, Mémoires et lettres de voyage. par Dirk Van der Cruysse, Paris, Fayard, 1990.

  • Fabiola Sartori (Hrsg.), La Casa Grande dei Foscari in volta de Canal. Documenti, Venezia, La Malcontenta, 2001.

  • Alessia Giachery, „Stefano Mozzi Scolari ´stampadore e miniatore di stampe di rame´ nella Venezia del Seicento: vita, attività, eredi“, Bibliothecae.it, 1 (2012), 93-120.

  • Sophie von Hannover, Memoiren der Kurfürstin Sophie von Hannover. Ein höfisches Lebensbild aus dem 17. Jahrhundert. von Martina Trauschke. Aus dem Französischen von Ulrich Klappstein, Göttingen, Wallstein Verlag, 2014.

  • Andrea Grewe, „Herrschaftszeremoniell und Zeremonien der Gastlichkeit. Italienische Festkultur in den Reiseberichten Ferdinand Albrechts von Braunschweig-Lüneburg (1678/1680) und Sophies von der Pfalz (1680/1681)“, Sabine Meine, Nicole K. Strohmann und Tobias C. Weißmann (Hrsg.), Musik und Vergnügen am Hohen Ufer Fest- und Kulturtransfer zwischen Hannover und Venedig in der Frühen Neuzeit, Regensburg, Schnell & Steiner, 2016, S. 173-185.

  • Susanne Tauss, „Spazieren unter Myrthenbäume: Italien 1664/65“, Klaus Niehr, Susanne Tauss (Hrsg.), Wildnis und Paradies. Schlösser, Gärten, Sehnsuchtsorte der Sophie von der Pfalz, Regensburg, Schnell & Steiner, 2021, S. 65-96.

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